Als ich im Frühjahr das erste Mal mit der Idee des ortsunabhängigen Arbeitens in Berührung kam, stand Nima auf der Bühne und hielt einen Vortrag. Sie sagte, sie habe sich das vorgenommen, vor so vielen Menschen zu sprechen, auch wenn sie sich in den letzten Wochen mehr als einmal dafür verflucht hat. Denn es mache ihr Angst, sie war bis zum Anschlag aufgeregt, aber sie mache es eben trotzdem. Oder genau deshalb. Dafür gab es erstmal Applaus aus allen Richtungen und Nima war mir direkt super sympathisch.

Zuletzt besuchte ich einen Workshop von ihr mit dem Titel: „Den Hintern hochbekommen für mehr Mut, mehr Spaß, mehr Freiheit!“ 

Nima hat Angst vorm Klettern – und klettert. Ich habe Angst vorm Reisen – und reise. Da musste doch ein Interview her, oder nicht? :)
Viel Spaß beim Lesen!

Und du so?

Hey, ich heiße Nima. Seit September 2015 lebe ich, zusammen mit meinem Freund und unseren zwei Hunden, in einem Oldtimerbus in Spanien. Von dort aus arbeite ich ortsunabhängig als Reisebloggerin und Coach. Außerdem betreibe ich einen Onlineshop für Klettergeschenke.

Erzähl mal von Horst! Wer ist das und wie sieht dein Leben mit ihm aus?

Horst ist seit etwas über einem Jahr unser Familienmitglied auf sechs Rädern: ein 35 Jahre alter Mercedes-Bus, der zum Wohnmobil ausgebaut ist. Der Gute ist 7 m lang und knapp 3,30 m hoch. Wir können entspannt aufrecht in ihm stehen und müssen nirgendwo den Kopf einziehen. Das ist für uns wichtig, weil wir zu 100 % in ihm leben. Wäre dumm, wenn wir deswegen einen krummen Rücken bekämen …

Wir haben eine Sitzecke mit Tisch – unser Ess- und Arbeitsplatz. Außerdem zwei Doppelbetten: eines im hinteren Teil des Busses und eines über dem Fahrerhaus.

Luna und Jule haben ihren festen Platz unter dem Tisch. Besonders Luna findet das super, denn zum Betteln muss sie sich überhaupt nicht bewegen – ganz toll!

Ansonsten haben wir einen geräumigen Kühlschrank, zwei Gaskochfelder und ein Vakuum-WC, das ohne Chemie funktioniert. Achja, und eine Außendusche mit Kaltwasser. Das ist ein wenig frisch, geht aber auch.

Strom bekommen wir über vier Solarpanels und fürs Internet haben wir eine Sat-Schüssel. Somit sind wir tatsächlich zu 100 % in der Lage, ortsunabhängig zu leben und zu arbeiten.
Uns fehlt es wirklich an nichts, dafür genießen wir eine Menge Freiheit und Flexibilität.

Oldtimerbus vor Kulisse mit Berg

Dürfen wir vorstellen: Horst| © Nima Ashoff

Was hast du vor deinen jetzigen Projekten – und Horst – gemacht?

Ohje, das würde wahrscheinlich den Rahmen sprengen, wenn ich alles aufzähle.

Vor sieben Jahren habe ich meine Festanstellung als Trainerin bei T-Mobile gekündigt. Ein echt gut bezahlter, aber für mich sinnentleerter Job. Seitdem habe ich mich ins Abenteuer Selbstständigkeit gestürzt und verschiedenste Dinge ausprobiert.

Weil mich Menschen faszinieren, habe ich eine Ausbildung zum Coach und zur Entspannungstrainerin gemacht. Als ich dann begonnen habe, meine Selbstständigkeit aufzubauen, gab es eine private Krise in Form einer Scheidung. Beides zusammen hat so stark an meinen Nerven gezehrt, dass ich irgendwann am Ende war und mich für einen radikalen Neuanfang entschieden habe.

Ohne Pläne, ohne Job und ohne Sprachkenntnisse bin ich für 1,5 Jahre nach Spanien gezogen. Ich brauchte ein komplett neues Umfeld, in dem ich mich neu kennenlernen und entdecken konnte. Während meiner Ehe habe ich mich wie lebendig begraben gefühlt, jetzt wollte ich wieder etwas erleben! Zu dieser Zeit habe ich übrigens auch meinen jetzigen Vornamen Nima angenommen und ihn später offiziell ändern lassen.

In Spanien habe ich gelernt, Dinge laufen zu lassen und nicht mehr wie ein Hamster auf Koks am Rad zu drehen. Außerdem habe ich begonnen, mich herauszufordern und meinen Ängsten zu stellen, zum Beispiel meiner Höhenangst. Deshalb habe ich mit dem Klettern begonnen.

Diese Zeit in Spanien war eine der intensivsten meines bisherigen Lebens. Von einem Jahrhundertwaldbrand, von dem ich selber betroffen war, bis zu einer neuen Liebe war alles dabei.

Als ich wieder in Deutschland war, habe ich auf Teilzeitbasis gejobbt, um meine Kasse wieder aufzubessern. Kundenservice, Texten, Webseiten pflegen – von allem etwas. Zusammen mit meinem Freund habe ich Geld zurückgelegt, Horst gekauft und jetzt sind wir endlich on the road!

In Spanien habe ich meine Leidenschaft für das Outdoorleben entdeckt und deshalb meinen Blog Abenteuer Spanien gegründet. Dort stelle ich die zahlreichen Möglichkeiten für Outdooraktivitäten vor und berichte von meinem Leben im Horst.

Warum ist es Spanien geworden?

Wäre ich nach meiner Scheidung zufällig in Italien gelandet, hätte es vielleicht auch dieses Land sein können, in das ich mich verliebe. Aber nein: Es war Spanien.

Ich war damals durch die Trennung verletzt und verzweifelt. In Spanien bin ich auf sehr herzliche, hilfsbereite und offene Menschen gestoßen. Ich habe mich hier immer willkommen gefühlt, egal, wie dusselig ich mich zum Beispiel sprachlich angestellt habe. In Spanien konnte ich mich langsam wieder öffnen und Menschen an mich heran lassen.

Außerdem ist das Land sehr groß und hat wesentlich weniger Einwohner als Deutschland. Hier kann ich mich total in die Ruhe der Natur zurückziehen und durchatmen. Niemand stört sich daran, dass wir wildcampen. Oft sind die Leute sogar an uns und Horst interessiert.

Der gesamte alltägliche Umgangston ist hier viel wärmer und lockerer – das tut mir einfach gut!
Außerdem bin ich ein absoluter Sonnenmensch und liebe das spanische Wetter.

Zwei Hunde im Wald zwischen Bäumen

Immer dabei: Nimas Hunde Luna und Jule| © Nima Ashoff

Kickass Coaching, Klettern – du beschäftigst dich viel mit dem Thema Angstbewältigung. Wie kam es dazu?

Weil ich der geborene Schisser bin!
Die Lieblingsfrage meiner Mutter ist noch heute: Hast du denn davor keine Angst?
Ich bin im Grunde zur Ängstlichkeit erzogen worden und irgendwann hat mich das nur noch genervt. Ich habe mich in meinem Leben durch die zigtausend „Was wäre wenn“-Gedanken eingeschränkt gefühlt. Kaum einer davon trifft doch jemals zu? Das sind größtenteils völlig wirre Konstruktionen unseres Gehirns mit dem lauten Schrei nach Sicherheit. Die gibt es aber nicht. Nichts ist sicher.

Mit dem Klettern anzufangen war ein Schritt, mich dem Thema Höhenangst zu stellen. Ich wollte raus aus dieser ständigen Vermeidungsstrategie, durch die das Leben immer enger und enger wird.

Dadurch, dass ich so lange Zeit auf Ängstlichkeit getrimmt wurde, habe ich damit auch weiterhin zu tun. Ich weiß, wie sich Angst anfühlt. Aber ich bin nicht mehr bereit, diese mein Leben bestimmen zu lassen. Der Regisseur bin nämlich ich.

Als Coach und Entspannungstrainerin kam mir dann die Idee, diese Themen zu verbinden. Ich trete mir selber ständig in den Hintern und fordere mich heraus – wieso sollte das nicht auch anderen helfen?
Je mehr wir uns trauen, umso mehr wächst unser Vertrauen. Und dann geht es Schritt für Schritt weiter.

Wie stellt man sich den eigenen Ängsten?

Das für mich allerwichtigste ist: Akzeptanz!
Akzeptieren, dass man Angst hat.

Das bedeutet nicht, die Angst hinzunehmen, sondern lediglich, sie nicht zu verleumden. Im nächsten Schritt finde ich es hilfreich, die Angst zu äußern, denn es ist nichts Schlimmes, Angst zu haben.

Indem man sich öffnet, stellt man oft fest, dass andere ebenfalls damit zu tun haben, und das verbindet. Allerdings geht es nicht darum, in ein gemeinsams Jammern zu verfallen und sich zu bemitleiden. Am Ende bleibt nämlich nur, der Angst zu begegnen. In einer Dosis, die man aushalten kann, die aber auch herausfordert. Und dann am Ball zu bleiben und sich immer wieder zu motivieren. Was gewinne ich dadurch, dass ich diese Angst angehe? Was in meinem Leben wird dadurch leichter?

Sich Ängsten zu stellen, verläuft leider nicht immer gradlinig. Es gibt Aufs und Abs, manchmal am gleichen Tag. Sich selber weiterhin mit Geduld und Verständnis, aber auch mit Hartnäckigkeit zu begegnen, das ist für mich die schwierigste Aufgabe.

Denkst du, die Menschen sind ängstlicher als früher? Liegt das womöglich an der Gesellschaft – oder eher daran, dass man offener darüber spricht?

Das kann ich nicht beurteilen, weil ich jetzt lebe und nicht früher. Ich glaube schon, dass wir in unserer extrem konsumorientierten Gesellschaft dazu neigen, uns einige (Verlust-)Ängste zu kreieren.

Viele Ängste werden ja geradezu durch die Unternehmen geschürt à la: „Wenn du dein Haus nicht 100%ig keimfrei hältst, werden deine Kinder sterbenskrank.“ Diese ständige Hetzerei nach noch mehr Wohlstand und Konsum führt sicherlich nicht dazu, dass die Menschen entspannt und angstfrei leben.

Und dass man offen über Ängste spricht, kommt auch auf das Umfeld an. Viele Menschen mit Ängsten gestehen sich diese selbst nicht richtig ein, spielen sie runter oder machen anderen etwas vor.

„Reiß dich halt zusammen!“, ist ein Satz, den man als ängstlicher Mensch oft hört. Was sagst du dazu?

Ob und wann ich mich zusammenreiße, entscheide noch immer ich. Niemand steckt in meiner Haut und kann nachempfinden, wie es mir gerade geht.

Wenn es mit Zusammenreißen getan wäre, dann wäre das ja super. Aber Angst zu haben, fühlt sich scheiße an. Das Herz rast, die Beine werden weich, der Atem flach – da geht es nicht ums Zusammenreißen, sondern darum, eine Lösung für dieses Problem zu finden. Und das braucht unter Umständen Zeit und einiges an Übung.

Was passiert beim Kickass Coaching, für wen ist das geeignet?

Das wichtigste zuerst: Auch wenn „Kickass Coaching“ ein provokanter Name ist, geht es bei mir immer mit Respekt und viel Humor zu! Ich unterstütze Menschen darin, endlich in die Gänge zu kommen und sich nicht weiter hinter Ausreden oder Jammern zu verstecken. Im Grunde weiß jeder, wann er sich betuppt. Sich in eine Opferrolle zu verkriechen, kann ja auch ganz angenehm sein. Alle anderen sind schuld und man kann selber gar nichts dagegen tun.

Solche Muster aufzudecken und zusammen mit den Kunden nach neuen Möglichkeiten zu schauen, das ist mein Job. Damit sie am Ball bleiben und nicht einknicken, begleite ich sie über einen Zeitraum von einem, drei oder sechs Monaten.

Das alles findet per Skype und E-Mail statt, also völlig ortsunabhängig für beide Seiten.

Im nächsten Jahr möchte ich auch Workshops für Kleingruppen in Spanien anbieten. Raus aus dem Alltag, rein in die Sonne! Hier wird es dann eine bunte Mischung aus Coaching und Outdooraktivitäten geben, um möglichst viele neue Erfahrungen zu machen.

Angst und Zukunft der Arbeit, Angst und Selbständigkeit, Angst und der eigene Weg? Gehört das immer zusammen?

Na klar gehört Angst dazu. Genauso wie andere Emotionen auch. Angst verleiht uns ein Kribbeln, lässt uns vorsichtig sein und auf uns aufpassen. Angst ist vollkommen in Ordnung und normal. Sie sollte halt nur nicht übermächtig werden und die Kontrolle übernehmen.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Meine Angst vor der Höhe bzw. vor steilen, abschüssigen Wegen begleitet mich weiterhin und damit werde ich auch in Zukunft zu tun haben.

Außerdem wären da noch Spinnen, die mich stressen. Das Thema möchte ich gerne noch angehen, weil eine spinnenfreie Welt ein Wunschtraum bleibt …

Ansonsten mache ich eigentlich gar nicht viele Pläne. So bleibe ich offen für die Möglichkeiten, die mir das Leben bietet. Das ist nämlich ein verdammt großes Überraschungsei!

KONTAKT ZU NIMA:

Blog: Abenteuer Spanien
Coaching: Kickass Coaching
weiterer Blog: VollKorrekt – Blogger helfen Bloggern
Facebook: Nima Ashoff
Anrufen: 0171 8355583
E-Mail schreiben: info[at]kickass-coaching.de