Genau wie Anna und Jana von Tandemploy traf ich Timo zum ersten Mal auf dem „A Summer’s Tale“-Festival. Er erzählte von seinem Leben auf Segelbooten und zeigte auf einem Beamer einen Haufen wirklich beeindruckender Fotos von seinen Reisen. Auch hier wurde ich wieder hellhörig. Wer er ist, was er genau macht und wie er dabei sein Geld verdient, hat er mir in einem Interview erzählt.

Timo, und du so?

Ich führe ein Leben als echter Abenteurer, bin den größten Teil meiner Zeit unterwegs – am liebsten per Anhalter, zu Fuß wandernd in den Bergen oder auf Segelbooten auf See. Hauptsache abenteuerlich! Zuletzt bin ich von Ibiza durch das Mittelmeer, über den Atlantik und die Biskaya in den Ärmelkanal gesegelt. Jetzt gerade bin ich an der Fjordküste Norwegens unterwegs.

Du reist „Hand gegen Koje“. Kannst du kurz erklären, was das bedeutet?

Auf Segelbooten, die sich auf längeren Törns befinden, werden oft noch ein paar Hände zum Anpacken benötigt. Die Skipper suchen also eine Crew, die ihnen beim Segeln hilft. Im Gegenzug bieten sie eine Koje auf dem Boot an – daher der Ausdruck „Hand gegen Koje“. Ich nenne es gerne „Segeln per Anhalter“ und habe so sogar schon einmal den Atlantischen Ozean überquert.

Um per Anhalter zu segeln – muss man dafür segeln können?

Es hilft sicherlich, ist aber nicht zwingend notwendig. Es gibt viele Eigenschaften, die man an Bord einbringen kann: Oft werden Köche gesucht oder Mechaniker, Fotografen oder Elektriker oder Lehrer… je nachdem, wer der Skipper ist und wohin und wie lange die Reise geht. Seefest sollte man allerdings sein – ein Seekranker an Bord stört mehr als dass er nützt.

Womit verdienst du das Geld, um so zu leben?

Ich lebe davon, von meinen Abenteuern zu berichten. Verschiedene On- und Offlinemedien kaufen mir meine Geschichten ab. Außerdem verkaufe ich einige eBooks, in denen ich anderen Abenteuerern Tipps gebe. Und in letzter Zeit hat sich auch mein Blog bruderleichtfuss.com so entwickelt, dass er auch ab und zu den einen oder anderen Euro abwirft – oder für neue Jobs sorgt.

Erzähl von Bruder Leichtfuß!

Auf bruderleichtfuss.com erzähle ich aus meinem Leben und von meinen Abenteuern. Weil „online“ so schnell geht und zu dem Blog auch noch meine Social-Media-Kanäle dazugehören, habe ich hier die Möglichkeit, meine Leser sozusagen „live“ auf meine Reisen mitzunehmen.

Was bedeutet „Abenteuer“ für dich?

Abenteuer ist alles, was nicht alltäglich ist – sobald man aus seinem Alltag ausbricht, stößt man automatisch auf ein Abenteuer. Ich bin der Meinung, dass man weder besonders mutig sein muss, noch besonders viel Geld braucht, um echte Abenteuer zu erleben. Ungewöhnliche Erlebnisse lauern eigentlich um jede Ecke. Man muss nur bereit sein, einen Schritt auf sie zuzutun – und der erste Schritt ist eigentlich immer der Schwierigste, danach läuft meist alles von allein.

Ging auf deinem Weg zu so viel Unabhängigkeit auch mal was schief? Gibt es Schattenseiten?

Es geht immer irgendwas schief! Hier sind ein paar Dinge, die mir in den letzten sechs Wochen passiert sind: Ein Hostel auf Ibiza war überbucht, so dass ich trotz Reservierung plötzlich auf der Straße stand und auf der ganzen Insel war kein Bett zu bekommen. Ein anderes Mal verpasste ich eine Fähre auf der Kanalinsel Guernsey knapp , so, dass ich keine Ahnung hatte, wo ich schlafen sollte. Später fuhr ein Zug durch Frankreich nicht wie geplant… Du glaubst nicht, wieviele Nächte ich schon auf Stahlbänken in Bahnhöfen oder an Fährterminals verbraucht habe. Oft ergeben sich daraus aber auch spannende Erlebnisse oder interessante Bekanntschaften. Deswegen ist in solchen Fällen meiner Meinung nach das Wichtigste, cool zu bleiben.

Gibt es ein Highlight, eine besondere Begegnung, einen Moment, den du nicht mehr vergisst, seit du lebst, wie du lebst?

Nein. Es gibt so viele unterschiedliche Highlights, dass ich kaum einen Moment herausheben kann. Meine Delfin-Begegnungen auf hoher See kann ich gar nicht mehr zählen. Manchmal konnte ich sie sogar berühren – wenn ich daran denke, hüpft mein Herz noch immer. Beim Trampen werde ich immer wieder davon überrascht, wie viele extem hilfsbereite Menschen es gibt. Und wie es war, nach meiner Atlantiküberquerung nach 16 Tagen auf See pünktlich zum Karneval in Brasilien an Land zu gehen, werde ich wohl auch so schnell nicht mehr vergessen.

Kannst du dir vorstellen, irgendwann wieder in eine Festanstellung zu gehen?

In nächster Zukunft kann ich mir das nur sehr schwer vorstellen. Aber es hört sich abenteuerlich an – irgendwann oder irgendwo kann vielleicht auch das mit mir passieren.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Ich bin jetzt erst einmal ein paar Wochen in Norwegen, danach geht es nach Australien, wo ich an einer Expedition mit Geländewagen durch die Wüste teilnehmen werde. Damit habe ich für meinen Geschmack schon fast zu viel geplant – was danach kommt, steht also noch in den Sternen. Langweilig wird’s aber wohl nicht werden…

Wie erreicht man dich?

Am meisten erfährt man über mich auf meinem Blog bruderleichtfuss.com. Wenn dann noch Fragen offen sind, kann man mich am besten per Facebook oder Twitter kontaktieren – und auch dort kann man meine Abenteuer ganz gut verfolgen.