Im September war ich zwei Wochen beim DNX Camp im Surf Office Lissabon, gemeinsam mit rund 20 anderen ortsunabhängig arbeitenden Leuten. Fast jeden Tag kam jemand zu Besuch, um uns von seinem Leben und Arbeiten zu berichten. Irgendwann stand Adam vor der Tür. Er erzählte uns davon, wie er sein Leben komplett änderte, seinen Job aufgab und nach Portugal zog. Mich haben seine Gedanken und seine Sicht auf Veränderung beeindruckt. Deshalb bat ich ihn um ein Interview. Hier ist es.

Und du so?

Mein Name ist Adam, ich lebe in der Algarve in Portugal und ich arbeite als Reservations Manager im Surfcamp Jah-Shaka. Außerdem habe ich ein kleines Kleidungslabel namens DriftFish.

Was hast du vorher gemacht?

Ich habe die letzten zehn Jahre damit verbracht, in der Bau-Industrie zu arbeiten. Ich war Bauprojektleiter. Die letzten fünf Jahre lebte ich in London und war verantwortlich für den Wiederaufbau von Schulgebäuden. Das war meine Karriere.

Wie kamst du vom Bauleiter in London zum Leben in Portugal?

Das war eine lange Reise. Es gab immer etwas an meiner Karriere, das nicht richtig gepasst hat. Ich habe mich nie wohl gefühlt und ich habe immer gewusst, dass ich etwas anderes machen wollte. Nach zehn Jahren hatte ich das wirklich über. Ich war nicht mehr interessiert an meiner Karriere. Ich wusste nur: Ich muss gehen und etwas anderes tun.

Ich wusste aber nicht, was das sein sollte – und deshalb trat ich einer Organisation bei, die sich Escape the City nennt. Das half mir, meine Sicht auf die Dinge, mein Mindset zu ändern. Ich fing an, darauf zu vertrauen, dass es einen anderen Weg gibt, Dinge zu tun – zum Beispiel einfach loszugehen und Dinge anders zu machen.

Ich entschied mich dazu, meinen Job zu kündigen. Das ist eine lange Geschichte, die mit einem Jobangebot aus Portugal endete. Und deshalb bin ich jetzt hier.

Adam in Portugal

Früher Bauprojektleiter, jetzt im Surfcamp in der Algarve | © Adam Bromby

Im Vortrag hast du einen Satz gesagt: „Not knowing what to do with your life is a great thing to do with your life.“* Was meinst du damit?

*In etwa: Nicht zu wissen, was man mit seinem Leben tun soll, ist eine großartige Sache, die man mit seinem Leben tun kann.

Das hängt alles damit zusammen, ob du weißt, was du möchtest und was für dich das Wichtigste im Leben ist. Es kann durchaus hart sein, das rauszufinden – vor allem, wenn du in einer großen Stadt lebst und alle deine Freunde konventionelle, „normale“ Karrieren haben. Natürlich vergleichst du dich mit ihnen und denkst, dass du das alles genauso machen solltest oder musst. Auch wenn du merkst, dass dieser konventionelle Weg für dich irgendwie nicht passt – aus irgendeinem Grund. Manche Menschen wollen einfach irgendwas anderes machen. Diese Situation kann sehr schwierig sein.

Ich denke, wenn du dieses Gefühl hast, dass du irgend etwas anderes machen solltest und das auch tief in dir spürst (mir ging es so), aber du trotzdem nicht weißt, was genau dieses „Andere“ ist – dann genieße einfach, es zu finden. Finde heraus, was es ist. Geh raus in die Welt, probiere alles aus, sag „Ja“ zu allem, zu jeder einzelnen blöden Möglichkeit, die deinen Weg kreuzt. Probiere unterschiedlichste Sachen. Möglicherweise wirst du anfangen zu erkennen, was zu dir passt und dann findest du heraus, was du wirklich liebst – das ist dann dein Weg.

Es geht um die kleinen, nachhaltigen Veränderungen, die auf lange Sicht zu großen Ergebnissen führen. Ich sehe das so: So lange, wie man jeden Tag kleine Fortschritte in die Richtung macht, die man möchte, sollte man damit glücklich sein. Veränderung braucht Zeit – aber wenn diese Richtung, diese Sache dich glücklich macht, dann ist es das, was du tun solltest.

Das Problem ist oft die Angst vor Veränderung und die vorm Scheitern. Was ist, wenn ich meinen Job kündige und dann geht alles schief? Habe ich dann versagt?

Nein, das hättest du nicht. Auf keinen Fall.

Ich habe ganz genauso gedacht und ich habe mir Sorgen gemacht, was passiert, wenn es alles schief geht. Aber man muss sich eigentlich nur fragen: Was ist das Schlimmste, was passieren kann? Was ist das absolute Worst-Case-Szenario? Das ist meistens gar nicht so schlimm.

Das Problem bei vielen Unternehmenskarrieren ist, dass sie uns lehren, dass das Scheitern eine schreckliche Sache ist. Scheitern bringt dich in Schwierigkeiten, du verlierst deinen guten Ruf und wirst am Ende gefeuert. Als Unternehmer gehst du hingegen oft ganz neue Wege und erledigst Dinge während dieser neuen Wege. Der Gedanke, in etwas nicht besonders gut zu sein, war schwierig für mich, aber es war Teil des Lernprozesses.

Wenn du etwas versuchst und es haut nicht hin, dann komm drüber hinweg und versuch es noch mal. Die meisten erfolgreichen Geschäftsleute sind oft gescheitert, vermutlich sind sie öfter gescheitert als dass sie Erfolge hatten. Wenn du nichts versuchst, kannst du auch nicht scheitern – es braucht einiges an Rückgrat, genau das Leben zu führen, das man führen möchte.

Wenn du scheiterst, bist du noch lange kein Versager. Wenn du scheiterst, geht es auch um Geduld und Ausdauer: drüber hinwegkommen, nochmal versuchen. Und danach nochmal versuchen. Das beschreibt es ziemlich gut. Außerdem ist es wirklich wichtig, andere um Hilfe und Rat zu fragen – z. B. in jeder Phase deiner Businessplanung. Es gibt kaum etwas, dass dir mehr dabei helfen kann, Fehler zu vermeiden.

Kontakt zu Adam? Er freut sich, von dir zu hören:

Webseite: driftfish.co
E-Mail: info[at]driftfish.co

Übrigens: Das Interview wurde auf Englisch geführt und ich habe am Ende alles übersetzt. Es handelt sich also um die deutsche Variante seiner Antworten. Wenn du Adam schreiben willst, dann also auf Englisch.